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Familienpolitisches Abendgebet
(100319 FamPolAbend (3) [800x600].JPG; 17 kB)

am 19. März 2010 in der Marienkapelle


Predigt von Domvikar Stephan Hartmann
Geistlicher Beirat des Familienbundes der Katholiken im Bistum Würzburg


Bittet so wird Euch gegeben. Wenn es doch so einfach wäre, ist vielleicht Euch und Ihnen als Gedanke aufgeblitzt, meine lieben Mitchristen. Bittet so wird Euch gegeben, diese Einladung Jesu kennen wir alle, wissen aber auch, dass zumindest wie wir es uns vorstellen, eine Umsetzung nicht immer erfolgt.

Jede und Jeder unter uns könnte ein Lied davon singen, wie ein Bittgebet keine Erhörung fand, wie eine Krankheit zum Tod führte, wie arbeitslos arbeitslos geblieben ist und wie auch Erziehung nicht mit einem Bittgebet direkt gekoppelt ist, um nur drei Beispiele zu benennen. Um nicht diese Fragen weiterzuverfolgen, möchte ich eine neue Frage stellen, die vielleicht auch im Herzen aufgetaucht ist.

Was hat diese frohe Botschaft mit der Problematik zu tun, die in diesem Abendgebet zur Sprache kommt - Betreuungsgeld. Bittet und ihr werden empfangen - wenn wir es direkt sehen, dann müssen wir sagen, auch hier funktioniert dies nicht so einfach, weil die Finanzpolitiker sagen, woher nehmen wir dieses Geld und mehr noch kommt es zur Diskussion, wenn die Frage gestellt wird, ist die Bitte um Betreuungsgeld sinnvoll. Wir haben einige Meinung dazu gehört und Jede und Jeder von uns hat da wahrscheinlich auch seine ganz persönliche Meinung.

Für mich ist in dieser Diskussion ein Punkt wichtig, den ich auch sozusagen im zweiten Teil der frohen Botschaft angesprochen sehe. Welches Bild habe ich von Familie oder genauer von den Eltern, die für ihre Kinder sorgen. Habe ich das Vertrauen, dass sie es gut mit ihren Kindern meinen oder denke ich biblisch gesprochen, dass sie Stein statt Brot und Schlange statt Fisch geben?

Etwas plakativ gefragt, welches Elternbild haben inzwischen viele Zeitgenossen, wenn sie öffentlich sich äußern, dass Eltern nicht das Wohl der Kinder vor Augen haben, sondern nur ihren eigenen Vorteil sehen und den dann ausleben wollen? Keine Frage, es gibt sozusagen schwarze Schafe unter den Eltern, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht gelingt, ihren Kindern das zu schenken, was ihnen für das Leben hilft.

Aber auch das scheint mir ein Denkmuster in unserer Zeit zu werden, ein schwarzes Schaf und schon werden alle nur noch so gesehen, um auch hier nur noch ein Beispiel zu benennen, die Diskussion um so genannte Hartz-IV Empfänger.


Kommen wir auf die frohe Botschaft zurück, Jesus macht sich nichts vor, er weiß, dass uns Menschen nicht alles gelingt, dass wir nach seinen Worten böse sind, aber selbst dann geben wir unseren Kindern gute Gaben. Für Jesus ist es eine Lebenseinstellung, dass um das Bild von Schwarz-Weiß zu gebrauchen, nicht nur Schwarz gibt. Er weiß, um die Fehlerhaftigkeit von Menschen, er sieht aber immer auch, was dem Menschen gelingt, wie er immer eine Zukunft hat, weil der Kern an sich gut ist.

Diese Lebenseinstellung, diese Haltung zu Menschen, die Jesus lebt, wie gut täte es, wenn alle diesen Blick auf den Menschen zu ihrem Blick machen würden. Zuerst einmal Vertrauen leben, Vertrauen, dass der Andere das Gute will, dass Eltern ihre Kinder lieben und Mitsorge dafür tragen möchten, dass den Kindern ein schönes Leben möglich ist.

Die Frage nach dem Betreuungsgeld ist mit diesen Überlegungen nicht nur eine Frage der Finanzen, sondern noch viel mehr zu einer Frage, wie sehe ich die Eltern, traue ich ihnen zu, dass sie sich das überlegen, was den Kindern gut tut und danach handeln Wenn ich mir diese vertrauensvolle Sicht auf die Eltern zu eigen mache, dann wird eine Frage, die auch in diesem Zusammenhang diskutiert wird für mich auch lösbar, nämlich, was ist die bessere Erziehungsform für Kinder - wenn ein Elternteil den ganzen Tag beim Kind ist oder eben pauschal gesagt, wenn das Kind in der Krippe ist?

Ich bin davon überzeugt, dass auch hier Eltern für sich entscheiden können, was ihnen persönlich, aber auch was dem Kind, den Kindern gut tut. Diese vertrauensvolle Sicht beinhaltet dann aber auch für alle in der Gesellschaft, dass wir die elterliche Entscheidung respektieren und auch bereit sind, sie finanziell zu honorieren, weil Erziehung sicherlich immer auch Arbeit ist, wie es kirchliche Dokumente immer wieder betonen.

Bittet und es wird Euch gegeben - das war die Frage des Anfangs - um was sollen wir eigentlich bitten ist eine Frage jetzt? Meine Bitte wäre, schauen wir den Mitmenschen mit einem Grundvertrauen an, dass er nicht auf Kosten anderer leben will, sondern sein Leben selbst gut gestalten möchte.