Dagmar Dewald (Stimmkreis Würzburg-Stadt)Partei: ÖDP 1 a) Welche (landes-)politischen Maßnahmen möchten Sie fortführen, welche initiieren, um Familien diese zentralen Ressourcen zur Verfügung zu stellen? Umfragen zeigen, dass viele Eltern ihre Kinder selbst erziehen wollen, wenn ihnen genügend Zeit und Geld zur Verfügung stehen. Infrastruktur für Familien bedeutet also weit mehr nur als Kinderkrippenplätze zu schaffen. Daraus ergibt sich mein Einsatz für - die Einführung eines Erziehungsgehaltes (kostet nicht mehr als ein Krippenplatz) - ein steuerfreies Existenzminimum - die automatische Kindergeldanpassung an die Lebenshaltungskosten - ein familiengerechtes Rentensystem, damit Eltern nicht im Alter verarmen - bedarfsgerechter Ausbau und Neubau von qualitätsvollen Betreuungseinrichtungen - Begegnungsstätten mit pädagogischem Angebot für Eltern und Kleinkinder - die überfällige Anpassung des Wohngelds - die Förderung größerer Mietwohnungen für Mehrkindfamilien - Familienpässe, damit Familien Kultur wahrnehmen können. 1 b) Das richtige Verhältnis von innerfamiliärer Erziehung und außerfamiliärer Unterstützung oder Intervention ist nicht immer leicht zu finden. Was gehört Ihrer Ansicht nach verlässlich in die Familie, wo ist Unterstützung von außen angebracht oder notwendig? Eltern gehören zu den ersten Leistungsträgern unserer Gesellschaft. Durch Liebe und Zuwendung geben sie ihren Kindern die Basis für ein gelingendes Leben. Sie verdienen höchste Wertschätzung, nicht Druck und Misstrauen. Und sie verdienen bei Bedarf Unterstützung durch Beratungs- und Hilfsangebote, die in erster Linie zur Selbstorganisation anregen sollen. Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen dienen Kindern und Eltern. Auch in schwierigen Erziehungssituationen hat Hilfe zur Selbsthilfe Vorrang. 2 a) Was verstehen Sie unter dem Begriff „Wahlfreiheit für Eltern“? „Wahlfreiheit für Eltern“ ist für mich: Die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder selbst erziehen oder von anderen betreuen lassen wollen. Voraussetzungen dafür sind: - ein Erziehungsgehalt - qualitätsvolle Betreuungseinrichtungen, unter denen Eltern gemäß ihren pädagogischen Wünschen auswählen können - mehr Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeiten und eigener Kinderbetreuung (wirtschaftlich äußerst rentabel, weil Familienmenschen so verlässlich sind)
2 b) Welche (landes-)politischen Maßnahmen, die sich nicht auf Umverteilungen im Familienetat beschränken, halten Sie für realistisch und geeignet, diese Wahlfreiheit zu stärken? Die Erziehungsleistung der Eltern ist der Erwerbsarbeit gleichwertig. Gemessen daran ist der Familienetat lächerlich gering. Umverteilung darf nicht unter den ohnehin geschröpften Familien erfolgen, sondern zwischen Eltern und Kinderlosen. Kinderlose profitieren zur Zeit finanziell mehr von den Kindern der anderen als deren Eltern! 3 a) Welche Maßnahmen der Bildungspolitik befürworten Sie, um den „Bildungsdruck“ unter dem Eltern nach Aussage der Studie „Eltern unter Druck“ der Konrad-Adenauer-Stiftung stehen, zu mindern? Wir erleben seit Jahren eine beispiellose Verzweckung unserer Kinder. Sie sollen immer früher zur Schule gehen, früher Abitur machen, schnell auf den Arbeitsmarkt kommen und werden ihre Rente wohl erst mit 70 erhalten. Diese Ökonomisierung des Menschen ist kurzsichtig und wird die Gesellschaft mehr kosten, als es ihr finanziell nützen soll. Schon jetzt leiden viele Grundschulkinder unter Schlafstörungen und psychischen Krankheiten. Ich stehe - für die Rückkehr zum G9, - für die qualitätsvolle, praxisorientierte Hauptschule, - für mehr Durchlässigkeit zwischen den Schulen, - für rhythmisierte Ganztagsschulen als freiwilliges Angebot, - für Entrümpelung der Lehrpläne, - für gleiche Bezuschussung staatlicher und privater Schulen, - für mehr Zeit für Sport und Musik in allen Schulformen. Bewegung und Musik sind nicht nur bereichernd für die Persönlichkeit, sie stärken auch die kognitiven und sozialen Fähigkeiten, und zwar mehr als früher angenommen. Deutschland hat hier anderen Nationen etwas voraus: ein reiches musikalisches und sportliches Vereinswesen. Doch dafür brauchen Kinder Zeit und keinen Nachmittagsunterricht. An Ganztagsschulen muss ein entsprechendes Angebot eingebunden sein.
3 b) Wie stehen Sie zu den Studiengebühren? Müssen sich Eltern darauf einstellen, künftig noch stärker an der Finanzierung des Bildungssystems beteiligt zu werden? Mit der ÖDP stelle ich mich klar gegen Studiengebühren. Sie sind familien- und gesellschaftsfeindlich. Bildung kommt der gesamten Gesellschaft zugute und ist somit hochrangige Gesellschaftsaufgabe. Während der Studienzeit muss auch Kindergeld fließen!
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