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Karin Pranghofer (Stimmkreis Aschaffenburg-West)

Partei: SPD

1 a) Welche (landes-)politischen Maßnahmen möchten Sie fortführen, welche initiieren, um Familien diese zentralen Ressourcen zur Verfügung zu stellen?
Ein ganz wichtiger Baustein für eine bessere Infrastruktur für Familien ist der Ausbau der Plätze zur Kinderbetreuung und ein echtes Angebot von Ganztagsschulplätzen. Wir haben die Ganztagsschule landespolitisch schon vor 10 Jahren beantragt, jetzt bewegt sich endlich was. Weil es uns nicht nur um Quantität geht, sondern um eine qualitative Betreuung und Bildung von Kindern, muss für Familien mehr Geld bereitgestellt werden und müssen Familien ein Einkommen haben, von deren Lohn man auch Leben kann. Wir sind auch deshalb für den Mindestlohn. Ein Betreuungsgeld für Eltern die Ihre Kinder zu Hause betreuen lehnen wir ab, die Gefahr ist zu groß, dass gerade die Kinder die es am Nötigsten hätten, gar nicht in die Kindertagesstätten kommen und eine Garantie, dass dieses Geld den Kindern zu Gute kommt gibt es auch nicht. Eine allgemeine Kindergelderhöhung wäre okay. Bleibt noch der Faktor Zeit! Hier möchten wir vor allem familienfreundlichere Arbeitszeiten anmahnen und Teilzeitarbeit fördern.
Denn, trotz Rechtsanspruch auf Teilzeit, die wir bundespolitisch durchgesetzt haben, werden die Möglichkeiten oft von Arbeitnehmern und Arbeitgebern noch nicht so, wie von uns gewünscht, genutzt.


1 b) Das richtige Verhältnis von innerfamiliärer Erziehung und außerfamiliärer Unterstützung oder Intervention ist nicht immer leicht zu finden. Was gehört Ihrer Ansicht nach verlässlich in die Familie, wo ist Unterstützung von außen angebracht oder notwendig?
Familie bleibt immer, trotz außerfamiliärer Unterstützungssysteme die Keimzelle für die persönliche Entwicklung eines Menschen und wird in den meisten Fällen auch so gelebt. Verlässlich in die Familie gehört deshalb das Erleben von Gemeinschaft, also z. B. mit Kindern zu spielen, zu reden, etwas Gemeinsames zu erleben. Äußere Entwicklungen die diese Familiengemeinschaft angreifen, wie gestückelte Beschäftigungsverhältnisse, z. B. 3 Mini Jobs, oder auch immer stärkere konsumorientierte Wertevermittlungen, wie z. B. verkaufsoffene Sonntage, sind dem Familienleben nicht von Nutzen und werden von uns abgelehnt.
Damit aber Familie "nicht heiß läuft" (die Zunahme von Sorgerechtsentzügen macht uns sehr nachdenklich, weil der Anlass auch immer etwas mit Überforderung zu tun hat), sollte uns Anlass sein intensiver darüber nachzudenken, ob unsere vielfältigen Stützsysteme wirklich die Familien erreicht die Hilfe brauchen. Präventionsarbeit und Familienbildung, aber auch ein positiveres Familienklima, eine Kultur des Hinschauens und der Nachbarschaftshilfe sind hier sicher wichtige Impulse die wir setzen können.
Der Staat kann mehr, aber er kann nicht Alles!

2 a) Was verstehen Sie unter dem Begriff „Wahlfreiheit für Eltern“? 
Eltern haben Wahlfreiheit, wenn sie sich zwischen den Dingen selbst entscheiden können. Zwei Beispiele: Wer keinen Krippenplatz hat, weil die Gruppe voll ist und es kein anderes Angebot mehr gibt, kann nicht frei wählen. Wem aber ein Platz zur Verfügung steht, er diesen aber nicht wünscht, dann ist das "echte Wahlfreiheit".
ODER: Wenn Studiengebühren bezahlt werden müssen, das Familieneinkommen dafür aber nicht reicht, hat die Familie keine "Wahlfreiheit", ob sie die Kinder studieren lassen kann.

2 b) Welche (landes-)politischen Maßnahmen, die sich nicht auf Umverteilungen im Familienetat beschränken, halten Sie für realistisch und geeignet, diese Wahlfreiheit zu stärken?
Kostenfreier Zugang zu allen Bildungsreinrichtungen von der Krippe bis zur Hochschule. Ausbau der Kindertagesstättenplätze mit einem Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in einer gebundenen Ganztagsschule.

3 a) Welche Maßnahmen der Bildungspolitik befürworten Sie, um den „Bildungsdruck“ unter dem Eltern nach Aussage der Studie „Eltern unter Druck“ der Konrad-Adenauer-Stiftung stehen, zu mindern?
In der Tat, nicht nur Eltern, sondern auch die Kinder stehen unter Bildungsdruck.
Anlass dafür ist die viel zu frühe Auslese in der 4. Klasse und das Sortieren in Schubladen. Wir befürworten eine längere gemeinsame Schulzeit. Anlass sind auch die viel zu großen Klassen und in der Folge die zu geringe individuelle Förderung.
Unterricht wird damit immer mehr nach Hause verlagert, was neue Ungerechtigkeiten im Bildungssystem erzeugt wir wollen die gebundene Ganztagsschule, weil der Lernerfolg dort nachweislich größer ist. Und wir wollen mehr Schulsozialarbeit und die Mitarbeit anderer Professionen in der Schule.

3 b) Wie stehen Sie zu den Studiengebühren? Müssen sich Eltern darauf einstellen, künftig noch stärker an der Finanzierung des Bildungssystems beteiligt zu werden?
Mit uns nicht! Wir wollen die Studiengebühren wieder abschaffen und wollen die Lernmittelfreiheit in der Bayerischen Verfassung verankern. Beides hat die CSU Mehrheit im Landtag abgelehnt.